Gesundheits-Schäden durch Windkraft

Herzinfarkt vom Windrad durch Infraschall: Hier sind die Wirk-Mechanismen im Überblick

11. Mai 2026von 

Windräder sind eindeutig nachweisbar gesundheitsschädlich.

Eine der Wirkungen ist dem Infraschall geschuldet, der zwangsläufig auftritt, sobald sich das Rad zu drehen beginnt. In der Folge die Infraschall-Mechanismen im Detail: Wie tieffrequente Schallwellen auf Zellen, Gewebe und speziell das Herz wirken.

Infraschall bezeichnet Schallwellen mit Frequenzen unterhalb von 20 Hz – also unterhalb der menschlichen Hörschwelle. Dennoch ist er keineswegs harmlos: Er wirkt als mechanische Druckschwankung auf den gesamten Körper, dringt durch Wände, Gebäude und Gewebe und kann zelluläre Prozesse stören. Besonders relevant im Kontext der Windparks (und der aktuellen Mainzer Studie von Vahl/Dietz) ist die Wirkung auf das Herzmuskelgewebe. Wie Infraschall physikalisch entsteht und wie er sich im Unterschied zu hörbaren Schall ausbreitet, ist in diesem Artikel von gestern dargestellt.

Im Folgenden geht es um die gesundheitsschädlichen Mechanismen: physikalisch, zellulär und organspezifisch, gestützt auf experimentelle Daten.

Aber bevor dazu kommen, hier noch ein kurzer Auszug aus einem Leserbrief aus Australien im Anschluss an die Mainzer Studie über Herzschäden durch Windräder (übersetzt aus dem englischen Original):

Ich lebe in Australien und bin von Windkraftanlagen umgeben, und wir alle leiden unter gesundheitlichen Problemen. Ich habe Ihre neuesten Artikel zu den gesundheitlichen Auswirkungen gelesen und weiß, dass die Symptome, unter denen wir leiden, mit diesen Monstrositäten zusammenhängen.
Das NHMRC hier behauptet, es gäbe keine gesundheitlichen Probleme, und ist nicht bereit, von seiner Haltung abzuweichen.
…. Unsere Regierung verschließt die Augen davor, und wir alle leiden darunter. Wenn ich den Kopf schüttle, fühlt es sich tatsächlich so an, als hätte ich eine Prellung am Gehirn, und ich bekomme Herzklopfen, Schwindel und Benommenheit, und ich glaube, dass meine Cortisolwerte erhöht sind.

1. Physikalische Grundlagen von Infraschall

Infraschall besteht aus langen Wellenlängen (bei 15 Umdrehungen des Windrads pro Minute beträgt die Frqzuenz 0,75 Hz und eine Wellenlänge von 470 Meter in der Luft und etwa 2,700 Meter in einem durchschnittlich festen Boden). Im Gegensatz zu hörbarem Schall breitet er sich mit geringer Dämpfung aus und wird kaum von Hindernissen reflektiert oder absorbiert. Windkraftanlagen erzeugen ihn vor allem durch die Blade-Pass-Frequenz (die am Turm vorbeiziehenden Rotorblätter erzeugen periodische Druckpulse) sowie durch Turbulenzen und Modulation höherer Frequenzen. Der Schalldruckpegel (SPL) liegt in der Nachbarschaft von Windrädern typischerweise bei 80–120 dB(G) (Gewichtung für Infraschall), kann aber in geschlossenen Räumen durch Resonanzeffekte verstärkt werden.

Im Gegensatz zum schallisolierten Laborraum führen Reflexionen, atmosphärische Bedingungen und der Boden-Luft-Transfer in der Realität zu komplexen Wellenmustern (übrigens auch bei langwelligen Funk- oder Radiowellen).

Auch deshalb verbreitet sich Infraschall über enorme Distanzen fast verlustfrei. Die Dämpfung hängt vom Quadrat der Frequenz ab und ist damit bei 1 Hz um eine Million mal geringer als bei 1.000 Hz im unteren Drittel des hörbaren Bereichs. Die Behauptung, man könne durch Abstandsregeln die Belastung für Anwohner minimieren, ist angesichts dieser neuen Datenlage wissenschaftlich nicht haltbar.

Die Druckschwankungen wirken direkt mechanisch auf biologische Gewebe – ähnlich wie Vibrationen. Der Körper besitzt keine „Schalldämpfung“ wie das Mittelohr bei höheren Frequenzen; Infraschall erreicht daher Innenohr, Vestibularsystem, Brust- und Bauchhöhle sowie einzelne Zellen.

2. Allgemeine biologische Wirkmechanismen

Infraschall aktiviert mechanosensitive Strukturen auf zellulärer Ebene:

  • Ionenkanäle wie PIEZO1 und TRPV4: Diese Kanäle reagieren auf mechanische Dehnung und Druck. Bei Aktivierung strömt vor allem Kalzium (Ca²⁺) in die Zelle ein. Das löst Signalkaskaden aus, die Proliferation, Apoptose (programmierten Zelltod) oder Entzündungsprozesse beeinflussen können.
  • Oxidativer Stress und mitochondriale Schäden: Erhöhtes intrazelluläres Ca²⁺ führt zu Mitochondrienschwellung, reduzierter ATP-Produktion und Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS). Das wiederum schädigt Zellmembranen und Proteine.
  • Zell-zu-Zell-Kommunikation: Über Connexin-43-Hemikanäle wird ATP oder Glutamat freigesetzt, was benachbarte Zellen beeinflusst.

Diese Effekte sind dosis- und zeitabhängig: Niedrige Pegel (<90 dB) können in manchen Studien sogar schützend wirken (z. B. Hemmung pathologischer Fibrose in Herzfibroblasten), hohe Pegel (>100 dB) hingegen schädlich.

3. Spezifischer Mechanismus am Herzen: Störung des Calcium-Handlings (Vahl/Chaban-Studie)

Die Arbeitsgruppe Infraschall der Universitätsmedizin Mainz (Prof. Christian-Friedrich Vahl und Kollegen) hat 2019/2021 in einer kontrollierten In-vitro-Studie den direkten Effekt auf menschliches Herzgewebe nachgewiesen.Versuchsaufbau (Chaban et al., Noise & Health 2021):

  • Isolierte menschliche Vorhofmuskelstreifen (aus Herzoperationen entnommenes Gewebe von 18 Patienten).
  • Je zwei Streifen pro Patient: einer als Kontrolle, einer exponiert.
  • Exposition: sinusförmiger Infraschall bei 16 Hz (typische Windrad-Frequenz) mit 100, 110 oder 120 dB für eine Stunde.
  • Elektrische Stimulation bei 75 Schlägen pro Minute (simulierte Herzfrequenz).
  • Messung: Kontraktionskraft (Contractility) vor und nach Exposition.

Ergebnisse:

  • Bei 100 dB: kaum messbarer Effekt.
  • Bei 110 dB: Reduktion der Kontraktionskraft um durchschnittlich 11 %.
  • Bei 120 dB: Reduktion um 18 %.
  • Die Kontraktionsdauer blieb unverändert – nur die Kraftentwicklung war geschwächt.

Der zentrale Mechanismus ist die Störung des intrazellulären Calciumstoffwechsels (Calcium-Handling):

  • Im normalen Herzzyklus löst ein Aktionspotential Ca²⁺-Einstrom über L-Typ-Kanäle aus (Calcium-induzierte Calcium-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum, SR).
  • Ca²⁺ bindet an Troponin C → Aktin-Myosin-Interaktion → Kontraktion.
  • Zur Erschlaffung wird Ca²⁺ durch die SERCA2-Pumpe zurück ins SR gepumpt (oder über NCX aus der Zelle transportiert).

Infraschall stört dieses Gleichgewicht:

  • Mechanische Aktivierung von Kanälen → übermäßiger oder dysregulierter Ca²⁺-Einstrom.
  • Erhöhtes zytosolische Ca²⁺ → Mitochondrienschwellung, oxidativer Stress.
  • Hemmung der SERCA2-Expression (bei längerer Exposition).
  • Folge: gestörte elektromechanische Kopplung – weniger geordnete Kontraktion, reduzierte Kraft, erhöhte Bereitschaft zu Arrhythmien (durch spontane Ca²⁺-Freisetzungen oder Nachdepolarisationen).

Tierstudien (z. B. Ratten bei 130 dB/5 Hz) bestätigen: Zeitabhängige Herzfunktionsstörung, Fibrose, Apoptose von Kardiomyozyten über Bax/Caspase-Wege und reduziertes PPAR-γ (antioxidative Schutzfunktion).

4. Übertragung auf die Realität: Die neue epidemiologische Mainzer Studie (2026)

Die experimentellen Befunde am isolierten Myokard erklären die Ergebnisse der aktuellen retrospektiven Studie im Kreis Paderborn: In Gemeinden mit hohem Windkraftausbau (Borchen/Lichtenau) stieg die Inzidenz von Herzinsuffizienz (I50) und bedrohlichen Rhythmusstörungen (I49) hochsignifikant (p < 0,0001) – um 20–68 % je nach Gemeinde und Zeitraum. Die Kontrollorte (Delbrück/Hövelhof) zeigten keine vergleichbare Zunahme. Chronische, niedrigschwellige Exposition scheint kumulativ zu wirken, auch wenn die akuten Labordosen höher lagen. Uni-Medizin Mainz: Kogress DGIM April 2026

5. Weitere bekannte Effekte und offene Fragen

  • Vestibular- und ZNS-Effekte: Infraschall kann über das Innenohr Schwindel, Übelkeit oder Schlafstörungen auslösen.
  • Gefäßsystem: Veränderter Blutfluss, Blutdruckanstieg bei hohen Pegeln.
  • Kritikpunkte: Kritiker (z. B. aus der Windenergie-Branche) argumentieren, dass reale Immissionen oft unter 90–100 dB liegen und die Laboreffekte daher nicht 1:1 übertragbar seien. Dennoch: Die Mainzer Arbeitsgruppe fordert seit Jahren Grenzwerte von maximal 90 dB(G) für chronische Exposition und weitere Forschung.
    Abgesehen davon sind Laborwerte eben nicht auf reale Umgebungen übertragbar, da atmosphärische Interferenzen und Reflexionen erhebliche Veränderungen verursachen – siehe Punkt 1. Physik.

Zusammengefasst

Infraschall ist kein „bloßes Hintergrundrauschen“. Er wirkt mechanisch-transduktiv auf Zellen, stört vor allem das Calcium-Gleichgewicht im Herzmuskel und kann so Kontraktilität, Rhythmus und langfristig die Herzgesundheit beeinträchtigen. Die Kombination aus Labor (Vahl/Chaban) und Felddaten (Paderborn-Studie 2026) liefert einen plausiblen biologischen Mechanismus – und unterstreicht die Notwendigkeit, Grenzwerte und Abstände völlig neu zu bewerten.

Wichtige Quellen (direkt verlinkt):

Bild von Frauke Riether auf Pixabay

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